Nikolaikirche der Hanse- & Lilienthalstadt Anklam

Wiederaufbau der Nikolaikirche Anklam

Autor: Förderkreis Nikolaikirche Anklam e.V.

Letzte Aktualisierung:

Die Nikolaikirche wird seit dem Jahr 1994 in kleineren und größeren Schritten gesichert und wiederaufgebaut, worauf im Folgenden zurückgeblickt und vorausgeschaut werden soll.

Ausgangszustand

Abb. 1: Nikolaikirche - Innenraum, 1993

Abb. 1: Nikolaikirche - Innenraum, 1993

© Förderkreis Nikolaikirche Anklam e.V.

Die Nikolaikirche stand 1993, fast 50 Jahre nach Kriegsende, ohne Dach über dem Kirchenschiff inmitten der Hansestadt Anklam. Die nach oben offene Kirche und die unverschlossenen Fenster ließen Natur und Witterung freie Bahn und hatten über die Jahrzehnte dafür gesorgt, dass Fresken und Wandbemalungen für immer zerstört wurden, die Mauerkrone und das Mauerwerk durch Erosion und sauren Regen angegriffen wurden, und das Kirchenschiff und die Mauerkronen mit Bäumen und Sträuchern bewuchsen.

Eine der ersten Maßnahmen mit Beginn der Sicherung der Nikolaikirche im Jahr 1994 war die Beräumung des Kirchenschiffes, womit erste Sicherungsarbeiten im Kirchenschiff (z. B. an den Fresken) möglich wurden.

Das Notdach

Abb. 2: Nikolaikirche mit Notdach, 2008

Abb. 2: Nikolaikirche mit Notdach, 2008

© Förderkreis Nikolaikirche Anklam e.V.

Um die Sicherungsarbeiten, vor allem an der Mauerkrone und den Fresken, fortsetzen zu können und weitere schädliche Einwirkungen auf das Gebäude zu verhindern, wurde in den Jahren 1995 und 1996 in zwei Bauabschnitten ein als zehnjähriges Provisorium geplantes Notdach errichtet. Die dafür verwendete Dachkonstruktion wurde bei der Planung für eine spätere Aufrichtung als Satteldach nach historischem Vorbild konzipiert. Da das Mauerwerk das Notdach nicht tragen konnte, wurde rund um die Kirche ein Tragwerk aus Stahlpfeilern errichtet.

Das Notdach wurde im Rahmen der Neuerichtung des neuen Daches im Jahr 2010 abgenommen und während der Baumaßnahme durch ein Bauschutzdach ersetzt.

Die Sakristei

Die Sakristei und die Vorhalle (beide Teil des Südanbaus) wurden 1999 vom Förderkreis hergerichtet. Der Förderkreis nutzt die Sakristei seitdem als Vereins-, Verkaufs- und Veranstaltungsraum.

In Folge der Dachaufrichtung im Jahr 2010/11 kam es in der Sakristei zu leichten Wasserschäden. Für die Zukunft ist eine Renovierung geplant, als erste Maßnahme wurde im Frühjahr 2014 ein neuer Kaminofen (Bullerjan) in der Sakristei installiert.

Das Kirchenschiff

Abb. 3: Pfeilersicherung, 2001

Abb. 3: Pfeilersicherung, 2001

© Gorkow Bau Jarmen

Im Anschluß an die Errichtung des Notdaches wurde 1997 ein neuer Fussboden im Kirchenschiff verlegt. 1998 bis 2000 wurde die Sicherung der Fresken fortgesetzt und die Erneuerung der Mauerkrone abgeschlossen.

Die im Jahr 2000 begonnenen regelmäßigen Öffnungen und Veranstaltungen in der Kirche mussten im Jahr 2001 und 2002 wieder unterbrochen werden, da sich der Zustand der Pfeiler im Kirchenschiff schlimmer als vorher angenommen dargestellt hatte. Das hatte in den beiden Jahren Sicherungsarbeiten an den Pfeilern zur Folge, bei denen Teile des äußeren Mauerwerks der Pfeiler (siehe Abbildung) ersetzt wurden.

Für die weitere Sicherung der verbliebenen Fresken wurde im Jahr 2010 in der Nikolaikirche eine Bestandsaufnahme und Bewertung der Härtefälle durchgeführt.

Der Turm

Abb. 4/5: Westportal, 2009 & 2010

Abb. 4: Nikolaikirche Anklam, Provisorisches Westportal mit neuer Gestaltung - 2009

Abb. 5: Nikolaikirche Anklam, Neues Westportal - Dezember 2010 (während des Einbaus)

© Peer Wittig / Lars Stasun

Im Zeitraum von 2000 bis 2010 wurden in mehreren Bauabschnitten Maßnahmen für die Sicherung des Turmes unternommen, indem:

  • das Fundament unter dem Turm gesichert wurde,
  • beschädigte Mauerteile ausgebessert oder ersetzt wurden,
  • die pyramidenförmige Turmhaube aus den späten 1960-er Jahren im Rahmen der Errichtung von Mobilfunkantennen von Viag Interkom (heute Telefonica O2) durch eine neue geschlosse Haube ersetzt wurde,
  • die offenen Fensteröffnungen in der ehemaligen Glockenstube verglast wurden.

Die Baumaßnahmen konnten mit nur geringen Einschränkungen (z. B. der Sperrung des Turm und des ersten Joches) für den Besucherverkehr und die Durchführung von Veranstaltungen durchgeführt werden, wodurch sich die Nikolaikirche in den Jahren 2003 bis 2009 während der Sommersaison zu einem Besuchermagnet mit stetig steigenden Besucherzahlen entwickelte.

Ein lang gehegter Wunsch des Förderkreises seit seiner Gründung im Jahr 1994 wurde endlich im Sommer 2008 erfüllt. Seit dem Juli 2008 ist es nach langer und erfolgreicher Vorbereitung durch den Förderkreis und die Hansestadt Anklam möglich, während der Sommersaison oder bei angemeldeten Besichtigungen den Turm mit den 233 Stufen und der Aussichtsplattform in 50m Höhe zu besteigen.

Seit dem Frühjahr 2009 wird das Westportal der Nikolaikirche wieder als Haupteingang genutzt. Dazu wurde das provisorische Stahltor mit dem Einbau von vier Fensterscheiben und einer neuen Farbgebung umgestaltet und erlaubte auch außerhalb der Öffnungszeiten einen Blick ins Kirchenschiff. Ende des Jahres 2010 wurde dieses Tor durch ein neues, gefertigt aus Holz und Stahl mit einer gläsernen Umrahmung, ersetzt.

Für den Umbau des Turm als Aussichts- und Ausstellungsturm für das zukünftige Ikareum wurden im Jahr 2009 ein Förderprojekt bei der Euroregion Pomerania beantragt, dass eine zukünftige Zusammenarbeit des Anklamer Lilienthal-Museums und seines polnischen Partners, dem Stettiner Museum für Technik und Kommunikation, vorsieht.

Das Förderprojekt der Nikolaikirche wurde bei der Entscheidung der Pomerania im Februar 2011 zurückgestellt, eine erneute Antragstellung ist für das Ende 2015 geplant.

Die neuen Fenster in der Nikolaikirche

Abb. 6: Nikolaikirche Anklam,
Fenster an der Südseite

Abb. 6: Nikolaikirche Anklam, Fenster an der Südseite

© Peer Wittig

Bis auf die nach Kriegsende neu eingebauten Fenster in der Sakristei waren 1993 alle Fensteröffnungen im Kirchenschiff unverschlossen. Im Jahr 1999 wurden die Fensteröffnungen des Kirchenschiffes durch den Förderkreis mit Kunststoffscheiben provisorisch verschlossen. Eine Maßnahme, die sich zwar als eine schnelle, aber nicht dauerhafte Lösung darstellte. In den folgenden Jahren mussten immer wieder von starken Wind und Sturm herausgedrückte Folien ersetzt werden.

Das erste neue Fenster seit Beginn der Sicherungs- und Wiederaufbaumaßnahmen im Jahr 1994 ist das im Sommer 2004 eingebaute und am 02. Oktober 2004 eingeweihte Nikolausfenster (Abb. 7). Das Fenster ist eine Replikation des 1909 vom damaligen Leiter der Anklamer Zuckerfabrik, Peter Förster, gespendete Fenster mit dem Heiligen Nikolaus als Hauptmotiv. Das neue Fenster ist eine Spende eines Förderkreismitglieds und wurde mit finanzieller Unterstützung des Förderkreises und der Hansestadt Anklam von der Glasfirma Glasgestaltung Altlandsberg gefertigt und eingebaut. Die Maurerarbeiten in der Nikolauskapelle und an der Fenstereinfassung wurden vom Bauunternehmen Gorkow Bau GmbH durchgeführt.

Parallel zu den Baumaßnahmen für den Einbau des Nikolausfensters richtete der Förderkreis Nikolaikirche die Spendenaktion Namensfenster ein, mit der Geld für die Fertigung und den Einbau weiterer Fenster gesammelt werden sollten. Ab dem Jahr 2009 wurden die ersten Fenster dieser Spendenaktion auf der Südseite der Nikolaikirche eingebaut. Die ersten vier Fenster mit fünfhundert Fensterscheiben aus dieser Spendenaktion wurden zusammen mit vier weiteren Fenstern, finanziert durch die Spendenaktion Wiederaufbau, in den Jahren 2009 und 2010 eingebaut. Weitere Fenster der Spendenaktion Namensfenster wurden in den Jahren 2012, 2013 und 2014 auf der Nordseite und im Chor eingbaut. Mit Abschluß der Spendenaktion im Herbst 2014 ist das Kirchenschiff der Nikolaikirche fast komplett neu verglast.

Das zweite farbige Fenster neben dem Nikolausfenster, das Gedenkfenster (Abb. 8), wurde 2009 von dem selben Vereinsmitglied gespendet und ebenfalls durch die Glasfirma Glasgestaltung Altlandsberg gefertigt und eingebaut.

Die zweite Spendenaktion für Fenster war die Spendenaktion Hanse-Wappenfenster, mit der Hansestädte der Neuzeit ihre Wappen für ein Fenster in der Nikolaikirche zur Verfügung stellen konnten. In den Jahren 2010 bis 2017 wurden 58 Wappen (siehe: Wappenfenster der Hansestädte) in der Nikolaikirche eingesetzt.

Die Fertigung und den Einbau der Namensfenster, sowie der Wappenfenster nahm die Glaserei Koch aus Neubrandenburg vor.

Im Sommer 2010 veranstaltete die Hansestadt Anklam mit Unterstützung des Förderkreises Nikolaikirche einen Gestaltungswettbewerb für die Gestaltung von drei Farbfenstern mit nichtfigürlichen Darstellungen zum Thema Ikareum für drei Chorfenster. Diesen Wettbewerb gewann der englische Glaskünstler Graham Jones. Im Jahr 2014 nahm sich die Hansestadt Anklam ihr 750-jähriges Stadtjubiläum zum Anlass, sich selbst und ihren Bürgern die Fertigung und den Einbau dieser drei Fenster in der Nikolaikirche zum Geschenk zu machen. Das Fenster hatte einen finanziellen Umfang von rd. 250.000 EUR, wovon ein überwiegender Teil durch die Städtebauförderung des Landes Mecklenburg-Vorpommern finanziert wurde. Die Fertigung und der Einbau der Fenster erfolgte durch das Glasstudio Derix Taunusstein, die Gerüstarbeiten nahm die Gerüstbaufirma Hühr aus Anklam vor und für die vorbereitenden Arbeiten an den Fensterlaibungen war die Baudenkmalpflege Prenzlau GmbH beauftragt worden. Die neuen Lilienthal-Chorfenster (Abb. 9) wurden am 19. Dezember im Beisein des Künstlers Graham Jones der Stadt und ihrer Bevölkerung übergeben.

Ebenfalls zum 750-jährigen Stadtjubiläum erhielt die Hansestadt Anklam im Sommer 2014 die Wappenfenster ihrer vier Partnerstädte (Heide, BRD; Burlöv, Schweden; Gmina Utska, Polen & Limbaži, Lettland) geschenkt. Die nach Vorbild der Hanse-Wappenfenster — aber mit einem rotem Namensband — gestalteten Wappenfenster der Partnerstädte (Abb. 10) wurden durch die Glaserei Koch aus Neubrandenburg gefertigt und im Frühjahr 2015 rund um das Wappenfenster von Anklam im Fenster über dem Westeingang eingesetzt.

Das Dach über dem Kirchenschiff

Abb. 11: Nikolaikirche Anklam
mit neuem Dach (*2011)

Abb. 11: Nikolaikirche Anklam mit neuem Dach (*2011)

© Peer Wittig

Im April 2011 wurde die zweijährige Planungs- und Bauphase am neuen Dach abgeschlossen. Der am 01. April 2009 eingegangene Zuwendungsbescheid einer Förderung für das neue Dach leitete eine der größten Baumaßnahmen der letzten Jahre an der Nikolaikirche ein und veränderte das 60-jährige Bild der Nikolaikirchruine so umfassend, wie keine Baumaßnahme seit 1994 zuvor.

Die ursprünglich geplante Weiterverwendung der Dachbinder des Notdaches war aufgrund unerwarteter Materialfehler nicht möglich, so dass nach der Einrüstung des Kirchenschiffes, der Abnahme des Notdaches und der Errichtung eines Ringankers ab dem 23. September 2010 ein neuer Dachstuhl aus Stahl, Holz und OSB-Platten errichtet werden musste. Das Dach wurde, teils parallel mit der Errichtung des restlichen Dachstuhls, mit über 80.000 Biberschwanzdachsteinen eingedeckt.

Ein Video zur Dachaufrichtung finden Sie hier.

Das Dach über dem Südanbau

Abb. 12/13: Nikolaikirche Anklam,
Südanbau mit altem und neuen Dach
(2011, 2014)

Abb. 12: Nikolaikirche Anklam, Südanbau mit dem alten Dach (Foto von 2011)

Abb. 13: Nikolaikirche Anklam, Südanbau mit dem neuen Dach (Foto von 2014)

© Peer Wittig

Ein Problemkind stellte das nach dem Krieg errichtete Dach über dem Südanbau (siehe Abb. 12: v.l.n.r. Gedenkkapelle, Nikolauskapelle, Südeingang mit Vorhalle und Sakristei) dar, dass seit dem Abbau der Notdaches ungeschützt der Witterung ausgesetzt war. Das über Jahrzehnte durch Wind und Frost arg in Mitleidenschaft gezogene Dach schützte die darunter befindlichen Räumlichkeiten nur noch ungenügend, was dazu führte, dass nach Abnahme des Notdaches über dem Kirchenschiff während des Jahres 2010 Wasser in den Südanbau eindrang und dieser seit dem Frühjahr 2011 baupolizeilich gesperrt wurde, und somit z. B. die Sakristei nicht mehr als Vereins- oder Veranstaltungsraum genutzt werden konnte.

Zu Beginn des Jahres 2011 wurde ein Förderantrag der Hansestadt Anklam für eine umfangreiche Baumaßnahme vorbereitet, die neben einer Neuerrichtung des Daches u. a. auch eine grundlegende Mauerertüchtigung des Südanbaus vorsah.

Der Förderkreis war bereit, sich finanziell an diesem Vorhaben zu beteiligen, drang im Verlauf der Planungen aber darauf, dass danach nicht nur die Sakristei mit dem Kamin wieder genutzt werden konnte, sondern endlich auch der Raum über der Vorhalle und der Sakristei, die sogenannte Galerie oder Bibliothek (in der Abb. 12 der Raum mit den drei oberen, unverschlossenen Fenstern), die lange ungenutzt blieb, wieder zugänglich und benutzbar wird.

Nach langer Planung und ersten Grabungen am und im Südanbau im Herbst 2012 zur baustatischen Untersuchung des Fundaments unterhalb des Anbaus begannen die eigentlichen Sicherungsarbeiten im Frühjahr 2013 und wurden nach umfangreichen Arbeiten (Fundament-/Mauerwerkertüchtigung, Einbau neuer Anker, Abnahme des alten und Errichtung eines neuen Daches, Ertüchtigung des Schornsteins) im Frühjahr 2014 abgeschlossen. Über den Kapellen (Gedenkkapelle, Nikolauskapelle) wurden alte Dachsteine verwendet, während rechts davon über der Vorhalle und der Sakristei neue Dachsteine, ebenfalls Biberschwänze verwendet wurde. Im Raum über der Sakristei (ehemalige Kirchenbibliothek der Nikolaikirche) wurde ein neuer Fußboden eingesetzt. Auf den Einbau neuer Fenster wurde verzichtet, die Fensteröffnungen wurden provisorisch mit Holzplatten verschlossen. In der Sakristei, die seit Abschluß der Baumaßnahmen wieder für Veranstaltungen genutzt werden darf, wurde durch den Förderkreis und die Hansestadt Anklam ein Kaminofen (Bullerjan) eingesetzt, wodurch der Raum auch in kälteren Jahreszeiten für kurze Veranstaltungen genutzt werden kann.